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Dermatologie
 

Die patientenfreundliche Aknetherapie: allgemeine und praktische Aspekte

VORSCHLAEGE FUER EINE PATIENTENFREUNDLICHE AKNETHERAPIE

Möglichkeiten
  • Topisch zumeist in Gel-Lsgs.-oder Cremeform
    • Benzoylperoxid
    • Antibiotika
    • Vit.-A-Präp.
  • Systemisch
    • Retinoide
    • Antibiotische Präp.
    • Antihormone (Steroide)

Aetiologie           
Die Akne ist eine Erkrankung der Talgdrüsen und deren Ausführgänge. Vier ätiologisch verknüpfte Faktoren spielen eine Rolle:

1. Erhöhte Sebumprodkution durch androgene Stimuli.
2. Eine Blockade des Talgdrüsenausführganges durch Keratinisierung.
3. Eine Aenderung des Mirkoklimas und damit der Bakterienbesiedlung.
4. Die Entzündung.

Akne provozierende Faktoren: Hormone, Oel und Teer, Chlor, Kosmetika, Steroide, Medikamente

Die Aknetherapie - Grundsätze  
Folgende grundsätzlichen Erkenntnisse sind essentiell:

1. Die Akne ist behandelbar.
2. Die Akneläsionen reagieren nur langsam auf eine Therapie. Eine 4-6monatige Behandlung ist not-
     wendig.
3. Solange Akneläsionen vorhanden sind, ist eine lokale Therapie notwendig.
4. Die systemische Therapie kann mit Unterbrüchen 6-36 Monate dauern. In schweren Fällen ist die
     orale Isotretinoin-Therapie die wirksamste Therapieform (Teratogenität beachten!)

Spezielle Probleme in der Aknetherapie          
a)Hautreinigung
Der eigentlichen Therapie voraus geht eine sorgfältige Reinigung der befallenen Haut. Procutol ist das einzige, ohne Einschränkung kassenzulässige Syndet für diese Indikation.

b) Abdecken der Läsionen/Psychologische Aspekte
Während der Dauer der Behandlung schätzt der Patient eine Kaschierung seiner Akneläsionen. Mit
Aknecolor geben sie ihm ein wirksames und kosmetisch befriedigendes Therapeutikum in die Hand.

c) Resistenzbildung
Erythomycin - und etwas weniger Clindamycin - führen bei topischer Anwendung rasch zu resistenten Aknebakterien. Es hat sich gezeigt, dass eine Kombinations-Therapie von topischen Erythromycin und alternierend Benzoylperoxid eine Resistenzbildung verhindert.

d) Hautirritationen
Lokale Tretinoin-Präparate, aber auch Benzoylperoxid-Präparate, können initial zu einer ausgeprägten Irritation führen. Die Verträglichkeit wird erhöht

-durch spezifische Vehikel (Benzoylperoxid in wässriger Emulsionsgrundlage wie bei Aknefung BP)
-durch eine intervallmässige Behandlung (hydratisierende Begleitbehandlung, z.B. Excipial U Lotio)
-durch eine reduzierte Applikationsfrequenz (Anwendung nur jeden zweiten Tag) oder
-durch ein reduzierte Applikationszeit (Abwaschen der Zubereitungen nach einer halben Stunde Applikationsdauer).

e) Wäscheverfärbung durch Benzoylperoxid
Benzoylperoxid bleicht gefärbte Textilien, aber auch gefärbte Haare (Augenbrauen).

Akne Behandlung praktisch: 3 + 3

Drei Säulen: 

Hautreinigung:    

  • Reduktion der Menge des Hauttalges
  • Reduktion der Oberflächenkeime
  • Reduktion der Akneläsionen

Aktive Therapie

  • Systemisch Keimelimination
  • Komedolyse, Sebosuppression
  • Systemisch Entzündungshemmung

Begleittherapie

  • Kaschieren der Läsion mit adäquaten getönten Zubereitungen 
  • Hydratisierung iatrogen trockener Haut

Drei therapeutische Wirkprinzipien:

Verminderung der Talgproduktion durch hormonelle Beeinflussung

In der Pubertät kommt es zu einem Anstieg der Talgproduktion durch ein Überwiegen männlicher Geschlechtshormone. Im Gegensatz zu den Jungen ist es bei Mädchen und Frauen möglich, die durch die Androgene ausgelöste überschießende Talgproduktion zu bremsen. Spezielle Medikamente, die sowohl Östrogen als auch sogenannte Antiandrogene als Wirkstoff enthalten und deswegen auch eine empfängnisverhütende Wirkung haben, erhöhen die Bindung der männlichen Geschlechtshormone an Trägerproteine (das sind Eiweißbausteine) im Blut, weshalb diese dann nicht mehr wirken können. Sie verdrängen die männlichen Hormone, in diesem Fall von den Talgdrüsen. Somit wird die vermehrte Talgproduktion unterbunden und der Akne eine der Ursachen ihrer Entstehung genommen.Bei Jungen kann die Akne natürlich nicht durch eine Unterdrückung der Wirkung der männlichen Geschlechtshormone behandelt werden, denn sie brauchen diese Hormone ja, wenn sie mal Männer werden wollen. Mädchen sollten ihren Arzt jedoch gezielt nach der Möglichkeit der hormonellen Akne-therapie fragen.

Beseitigung der Verhornungsstörung im Talgdrüsenausführungsgang

Gegen die Verhornungsstörung im Talgdrüsenausführungsgang lassen sich zwei Substanzklassen einsetzen. Abkömmlinge der Vitamin A-Säure und Azelainsäure: Sie bewirken eine Auflösung der fest aneinanderhaftenden Hornzellen und erhöhen somit die Möglichkeit des Ausstoßens der gebildeten Horn-Talg-Pfröpfe bzw. sie verhindern die Bildung neuer Komedonen. Unterschiede gibt es jedoch, was die Verträglichkeit anbelangt.

Vitamin-A-Säure
Abkömmlinge der Vitamin-A-Säure werden sowohl bei leichter Komedonenakne als auch (in Kapeslform) bei schwerer Akne eingesetzt.
Vitamin A-Säure, lokal in Form eines Gels oder einer Lotio angewandt, reizt - besonders in den ersten Wochen - die Haut. Dies kann sich in Hautrötungen, Schuppung oder Juckreiz äußern. Vitamin A-Säure-Präparate dürfen nicht während der Schwangerschaft und der Stillzeit angewandt werden.

 

Azelainsäure
Azelainsäure ist eine natürliche, d.h. im Körper vorkommende Fettsäure. Azelainsäure normalisiert die gestörte Verhornung und verhindert so die Mitesserbildung. Außerdem wirkt sie antibakteriell und stoppt somit die Ausbreitung der Entzündungserreger. Die Anwendung der Creme ist farb- und geruchslos; sie ist gut verträglich. Azelainsäure kann auch im Sommer unter Sonneneinstrahlung sowie in der Schwangerschaft und Stillzeit unbedenklich verwendet werden. Zu Beginn der Behandlung kann es zu einem vorübergehenden leichten Brennen kurz nach dem Auftragen kommen, das in der Regel rasch wieder abklingt.

Verminderung der Bakteriendichte und Beeinflussung der Entzündung

Benzoylperoxid (BPO)
Durch BPO wird die bakterielle Besiedlung in den Talgdrüsen vermindert; auch die Größe der Talgdrüsen nimmt ab. Unangenehme Eigenschaften sind z.B. Reizungen, Entfärbungen der Wäsche sowie die mögliche Ausbildung einer Empfindlichkeit/ Allergie gegenüber der Substanz.

Antibiotika 
Sie bekämpfen unmittelbar die bei der Akneentstehung beteiligten Bakterien und wirken damit der Entzündung entgegen. Diese Antibiotika können in Cremes und Lösungen, aber auch zur innerlichen Anwendung in Tabletten enthalten sein. Sinnvoll erscheint eine kombinierte Behandlung mit einem Antibiotikum sowie einem Lokaltherapeutikum, das gleichzeitig die Verhornungsstörung im Talgdrüsenausführungsgang positiv beeinflusst.

Nebenwirkungen der in der Aknetherapie verwendeten oralen Antibiotika (modifiziert nach Katsambas / Papakonstaninou)   

Medikament

Dosierung

Nebenwirkungen

Kommentar

Doxycyclin

50-100 mg 1-2x/d

Phototoxizität

Nur antiinflamma torischer Effekt bei - niedrig dosierter Therapie (20 mg/d). Keine Resistenzen

Minocyclin

50-100 mg1-2x/d

Hyperpigmentierun(Haut, Schleimhaut, Zähne), Schwindel, Autoimmunerkrankung

Relativ teuer, wenig Resistenzen

Trimethoprim- Sulfamethoxazol

160/800mg 1-2x/d

Allergische Reaktionen(Erythema multiforme, Stevens-Johnson-Syndrom

Second line

 

 

Akne Therapie-Schema

Empfehlungen der «Global Alliance to improve Outcomes in Acne» adaptiert auf die Bedürfnisse der Dermatologie am Hauptbahnhof in Zürich.

 

Komedonale Akne

Papulopustulose Akne leicht

Papulopustulose Akne mittelschwer

Noduläre Akne, mittelschwer bis schwer

Noduläre Akne, A. conglobata, schwer

1.Wahl

Topisches Retinoid, Waschpflege leicht rückfettend, Abdecken mit getönten salicylhaltigen Externa

Top Retinoid + BPO +/- top. Antibiotikum, Waschpflege leicht rückfettend

 

Orales Antibiotikum + Orales Isotretinoid, Top Retinoid + BPO +/- top. Antibiotikum, Waschpflege leicht rückfettend und desinfizierend

Orales Antibiotikum + Orales Isotretinoid, Waschpflege leicht rückfettend und desinfizierend

Orales Antibiotikum +Orales Isotretinoid, optional niedrig dosiertes Steroid oral, Waschpflege leicht rückfettend und desinfizierend

Alternativen

Anderes topisches Retinoid oder BPO oder Desinfizientia z.B. (Chlorhexidin oder Salizylsäure)

Orales Antibiotikum +Orales Isotretinoid

Top Retinoid + BPO +/- top. Antibiotikum, terielles Arzneimittel oder Azelainsäure

+ top Retinoid +/- BPO, anderes orales Antibiotikum

anderes orales Antibiotikum + top Retinoid +/- BPO

Alternativen für Frauen

Siehe 1.Wahl Lipoxyhydroxy-Säure

Siehe 1.Wahl, top Erythromycin

Siehe 1.Wahl top Erythromycin +/- orales Erythromycin

Orales Antiandrogen +/- orales Erythromycin +/-top antibakterielles Mittel

Orales Antiandrogen +/- orales Erythromycin +/- anderes top antibakterielles Mittel

Erhaltungs
therapie

Topisches Retinoid +/- BPO

 

 


Dieser folgende Text wird nicht  ins deutsche übersetzt, Quelle AAD

Treatment
Control of acne is an ongoing process. All acne treatments work by preventing new acne. Existing blemishes must heal on their own. Improvement takes time. If your acne has not improved after 6 to 8 weeks, you may need a change in your treatment.

The treatment your dermatologist recommends will vary according to your type of acne. Occasionally, an acne-like rash can be due to another cause - such as makeup or lotions you've used or oral medication. Rarely acne can be due to a hormone imbalance. It's important to help your dermatologist by providing a history of what you are using on your skin or taking internally. Women will want to discuss changes in the menstrual pattern.

Many non-prescription acne lotions and creams help milder cases of acne. However, many will also make your skin dry if used too often. If you use these products, follow instructions carefully.

Your dermatologist may prescribe topical creams or lotions such as vitamin A acid or benzoyl peroxide to help unblock the pores and reduce the bacteria. These may cause some drying and peeling. Your dermatologist will advise you on the correct use and how to handle side effects.

There are also antibiotics that are applied to the skin. These are used in less severe cases of acne. When large red bumps are present, the dermatologist may inject a cortisone directly into the bumps to help them go away.

Your physician may open pimples or remove blackheads and whiteheads. Don't pick, scratch, pop or squeeze pimples yourself. When the pimples are squeezed, more redness, swelling, inflammation and scarring may result.

Antibiotics taken by mouth such as tetracycline, minocycline or erythromycin are often prescribed for moderate or severe cases, especially when there is a lot of acne on the back or chest. The antibiotics reduce the bacteria in the follicle and may also decrease the redness directly. When taking oral antibiotics some women develop a yeast infection in the vaginal area. If this occurs, continue your medicine and contact your dermatologist immediately for treatment of the yeast.

Women who are taking birth control pills may notice a significant improvement in their acne, and occasionally birth control pills are used specifically for the treatment of acne. It is also important to know that oral antibiotics may decrease the effectiveness of birth control pills. This is uncommon but possible, especially if you notice break-through bleeding. As with most medicines, check with your doctor about taking antibiotics if you are pregnant or nursing.

In cases of severe acne, other drugs may be used orally. These may include female hormones or medications that decrease the effects of male hormones. Another oral medication, isotretinoin is sometimes used for severe acne that has not responded to other treatments. Patients using isotretinoin must thoroughly understand the side effects of this drug. Frequent follow-up visits are necessary to monitor side effects. Prevention of pregnancy is a must, since the drug causes severe birth defects if taken during pregnancy.

Proper care is necessary
No matter what special treatments your physician may use, remember that you must continue proper skin care until the tendency to have acne has passed. There is no instant or permanent cure for acne, but it is controllable and proper treatment may prevent scars.

Orales Isotretinoin zur Behandlung schwerer Akne vulgaris

Information und Empfehlungen
Martin K. Kägia, Margaretha Bindschedlerb, Peter ltinc sowie Mitglieder des Akneboard Schweiz der Schweizerischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (SGDV) und der Swissmedic.

1983 wurde in der Schweiz mit Roaccutan® das erste orale Isotretinoinpräparat zugelassen. Weiterhin sind folgende oralen Isotretinoinpräparate als Generika zu Roaccutan® zugelassen: Curakne®, Isotretinoin Sandoz®, Isotretinoin-Mepha®, Liderma®, Tretinac®.
Orale Isotretinoinpräparate sind äusserst wirksam zur Behandlung der Akne, bergen aber auch erhebliche Risiken. Letztere sind zur Zeit auch Gegenstand von Mediendiskussionen, und die Fachpersonen werden vermehrt mit entsprechenden Fragen konfrontiert. Wir möchten deshalb eine Übersicht über die wichtigsten Fakten geben und die Sicherheitsmassnahmen bei der Behandlung mit Isotretinoin in Erinnerung rufen.
Orale Isotretinoine werden für die Behandlung schwerer Akne eingesetzt, namentlich Akne mit dem Risiko einer bleibenden Narbenbildung. Sie dürfen nur dann eingesetzt werden, wenn andere Behandlungsmöglichkeiten, beispielsweise mit Antibiotika oder Topica, nicht genügend wirksam waren. Obwohl das erste oral verabreichte Isotretinoin vor über 20 Jahren zugelassen wurde, werden diese Arzneimittel in der Schweiz immer noch gleich überwacht wie neuzugelassene Medikamente. Um eine allfällige Zunahme der Risiken frühzeitig zu erkennen, müssen die Pharmafirmen Swissmedic jährlich einen Bericht über die weltweit gemeldeten Nebenwirkungen einreichen. Swissmedic evaluiert die Sicherheit von Isotretinoin zudem regelmässig anhand nationaler Spontanmeldungen, Meldungen anderer Behörden und/oder neuer Studienergebnisse. Nach entsprechenden Überprüfungen wurden in den letzten Jahren wiederholt Anpassungen der Arzneimittelinformation vorgenommen und sicherheitsrelevante Informationen publiziert.

Teratogenes Risiko

Orales Isotretinoin ist teratogen und kann zu schweren Schädigungen des ungeborenen Kindes führen. Verschreibung und Anwendung unterstehen deshalb weltweit, so auch in der Schweiz (siehe unten), sehr strengen Sicherheitsanforderungen, um die Anwendung dieses Medikamentes durch schwangere Frauen zu verhindern. Für orale Isotretinoine gilt die verschärfte Rezeptpflicht. Ein Rezept eines Arztes bzw. einer Ärztin darf also nur einmal eingelöst werden. Alle Patientinnen und Patienten müssen vom Arzt bzw. von der Ärztin in vollem Umfang über das Risiko für ein ungeborenes Kind und über die strengen Verhütungsmassnahmen aufgeklärt werden. Das Präparat darf nur von Ärztinnen bzw. Ärzten verschrieben werden, die mit der Behandlung der schweren Akne vertraut sind und die Risiken einer solchen Therapie und die notwendigen Kontrollen kennen. Folgende Sicherheitsmassnahmen müssen unbedingt eingehalten werden:

  • Vor Beginn der Behandlung muss bei Frauen im gebärfähigen Alter ein negativer Schwangerschaftstest vorliegen.
  • Während der ganzen Dauer der Behandlung und bis zu einem Monat nach der Behandlung müssen mindestens eine wirksame Methode zur Empfängnisverhütung und regelmässige medi­zinisch überwachte Schwangerschaftstests je nach Anamnese, Compliance und individuellem Schwangerschaftsrisiko durchgeführt werden.
  • Patientinnen müssen umfassende Informationen zum Risiko und zur Empfängnisverhütung erhalten. Dies erfolgt mündlich durch den Arzt bzw. die Ärztin und durch Informationsbroschüren für Patientinnen.
  • Vor Beginn der Behandlung müssen die Patientinnen unterschreiben, dass sie die Risiken kennen und die Sicherheitsmassnahmen einhalten werden.
  • Die Verschreibung bei Frauen im gebärfähigen Alter muss initial auf einen Behandlungszeitraum von 30 Tagen begrenzt sein. Eine Fortsetzung erfordert eine neue ärztliche Verschreibung und regelmässige ärztliche Kontrollen alle vier bis zwölf Wochen.
  • Die Abgabe in der Apotheke muss innerhalb von maximal sieben Tagen nach der Ausstellung des Rezepts erfolgen.
  • Patientinnen und Patienten müssen darauf hingewiesen werden, dass sie das Präparat auf keinen Fall an andere Personen weitergeben dürfen.

Unerwünschte Wirkungen auf die Psyche

Nationale und internationale Pharmacovigilance-Daten weisen daraufhin, dass orales Isotretinoin zu unerwünschten psychiatrischen Wirkungen führen kann. Seit der Gründung des Pharmacovigilance Zentrums vor 17 Jahren hat Swissmedic insgesamt 357 Meldungen vermuteter unerwünschter Wirkungen (UAWs) in Verbindung mit Isotretinoinen erhalten. Davon betreffen 63 (18%) vermutete un­erwünschte Wirkungen auf die Psyche. Mit Ausnahme eines Berichtes, welcher ein topisches Isotretinoin-präparat betrifft, traten alle diese Fälle im Zusammenhang mit oraler Isotretinointherapie auf. Zusätzlich wurden seit 1990 insgesamt sechs Suizide während oder nach Behandlung mit Isotre-tinoin gemeldet. Sie betreffen zum Teil lange zurückliegende Ereignisse, das erste aus dem Jahr 1987. Trotz möglicher anderer Ursachen ist ein Zusammenhang mit dem Medikament nicht ausgeschlossen.

Insgesamt 32 Meldungen (maximal 7 pro Jahr) betreffen depressive Symptome, 3 mit Suizidversuch. Bei mehreren Berichten über unerwünschte Wirkungen auf die Psyche spricht der zeitliche Zusammenhang mit der Gabe des Medikaments und die Besserung nach Absetzen für eine ursächliche Rolle. In der Schweiz verlangte die damalige IKS bereits 1998 einen entsprechenden Warnhinweis in der Arzneimittelinformation und ein Rundschreiben der Firma an die Fachpersonen. Bei Erkrankungen, die auch unabhängig von einer Behandlung häufig auftreten, wie das bei psychischen Problemen im Adoleszentenalter der Fall ist, können Spontanmeldungen allein den Zusammenhang mit dem Medikament aber nicht beweisen.
Kürzlich wurde von der Universität Bath eine Tierstudie publiziert, welche bei mit Isotretinoin behandelten Mäusen in bestimmten Tests ein depressionsähnliches Verhalten zeigte und in der Öffentlichkeit zu Diskussionen Anlass gab. Hierzu gilt es zu beachten, dass Resultate von Tierversuchen zwar gewisse Hinweise geben können, aber nur bedingt auf den Menschen übertragbar sind. Aufgrund der aktuellen Datenlage ist ein Zusammenhang von psychischen Symptomen mit der Einnahme von Isotretinoin zwar nicht bewiesen, es kann aber keinesfalls ausgeschlossen werden, dass derartige UAWs in seltenen Fällen auftreten. Es ist deshalb wichtig, dass der behandelnde Arzt den Patienten bzw. die Patientin beim Erstgespräch auf mögliche psychische UAWs aufmerksam macht. Anlässlich der regelmässig notwendigen Kontrollen soll die Möglichkeit psychischer UAWs bei der Anamnese berücksichtigt und auf allfällige psychische Symptome inkl. Zeichen einer Depression geachtet werden. Hierbei gilt ferner zu beachten, dass im Falle von psychischen UAWs ein Therapieabbruch möglicherweise nicht ausreicht, um die Symptome zu lindern, und dass eine weitere psychiatrische oder psychologische Untersuchung und Behandlung notwendig sein kann.

Kardiovaskuläre Risiken und Hyperlipidämie

Eine Publikation der kanadischen Behörden vom April 2006 berichtet über 29 Meldungen über einen Zeitraum von 22 Jahren zu vaskulären Erkrankungen, welche in Verbindung mit Isotretinoin beobachtet wurden. Elf dieser Fälle wurden näher beschrieben. In sechs Fällen handelte es sich um Herzinfarkte oder cerebrale Ereignisse, in fünf Fäl­len um Venenthrombosen oder Lungenembolien. In der Mehrzahl der Fälle waren bekannte Risiko­faktoren (z.B. Bluthochdruck, Rauchen, hormonale Kontrazeption, Übergewicht, Zuckerkrankheit) vorhanden. Ein Kausalzusam-menhang lässt sich aufgrund derartiger Einzelmeldungen nicht ableiten. Hingegen ist seit langem erwiesen, dass unter Behandlung mit oralem Isotretinoin Hyperlipidämien auftreten können. So berichtete auch eine kürzlich publizierte retrospektive Kohortenstudie an 13 000 Patienten mit Akne über einen Anstieg der Blutfette unter Isotretinoinbehandlung (Dr. Lee T. Zane, University of California, Archives of Dermatology, August 2006). Diese Nebenwirkung ist in der schweizerischen Arzneimittelinformation als häufiges Problem zusammen mit den notwendigen Vorsichtsmassnahmen (regelmässige Laborkontrollen, Dosisreduktion oder Absetzen von Isotretinoin bei zu hohen Lipidwerten, Beachten von Risikofaktoren etc.) ausführlich beschrieben. In jedem Fall ist bei der Behandlung mit Isotretinoin bei Patienten mit vorbestehenden kardiovaskulären Risikofaktoren besondere Vorsicht geboten, und die Blutfette müssen überwacht werden. Generell wird eine Laboruntersuchung der Leberwerte und der Blutlipide am Anfang, nach einem Monat und dann in regelmässigen Abständen (alle drei bis vier Monate) je nach Risikosituation empfohlen.

Konklusion

Sofern sich die orale Isotretinoinbehandlung auf Fälle von schwerer therapierefraktärer Akne (mit Narbenbildung) beschränkt, die Patienten vor der Behandlung über die möglichen Risken informiert werden und die vorgeschlagenen Vorsichtsmassnahmen und Kontrolluntersuchungen eingehalten werden, wird das Nutzen-Risiko-Verhältnis weiterhin als positiv erachtet.

Persönlicher Kommentar zur offiziellen Position (Dr. med. Erich E. Küng)

Bereits im Vorfeld zur Diskussion dieses jetzt vorliegenden Positionspapiers habe ich einzelne Autoren daraufhingewiesen, dass die geforderte Massnahmen nicht in jedem Falle sinnvoll sind. Meines Erachtens ist es ein weiterer Schritt zur Entmündigung unserer Bürger und Bürgerinnen, wenn wir stur die oben genannten Richtlinien, insbesondere was die Schwangerschaft anbetrifft, durchsetzen. Eine gebärfähige Frau hat den klaren Auftrag, um jeden Preis eine Schwangerschaft unter Istotretinoin zu verhindern. Dafür unterschreiben sie oder ihre gesetzliche Vertreter auch! Wie sie dies logistisch durchführt ist ihr persönlich zu überlassen. Oder soll tatsächlich bei der 38 jährigen Iuristin, welche beispielsweise in den letzten acht Wochen keinen Geschlechts-kontakt mit einem männlichen Partner hatte, ein Schwangerschaftstest erzwungen werden? Kosten? Zur Entstehung von Depressionen gibt es tatsächlich einzelne Fälle mit Neuentstehung oder Verschärfung dieser Problematik. In der Regel handelt es aber um harmlose Stimmungsschwankungen, wie sie bei anderen Medikamenten (Antibabypille) ebenfalls aufteten können. Die Anamneseerhebung muss auf diese Punkte achten, gegebenfalls soll mit dem behandelndem Psychiater Rücksprache genommen werden. Auf der anderen Seite kann wahrscheinlich niemand die Frage beantworten wie viele Suizide durch die rechtzeitige und grosszügige Verschreibung von Isotretinoin verhindert worden sind.

Gesamthaft ist aus meiner persönlichen Erfahrung des Isotretinoin ein äusserst wirkungsvolles, sehr nebenwirkungsarmes Medikament, bei welchem der Vorteil die Risiken bei Weitem übersteigt. Insofern ist die offizielle Stellungnahme meines Erachtens mehr eine Panikmache und ein Selbstschutz der offiziellen Stellen - natürlich EU-Konform.

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